Der Wasen als Belebung des Nahverkehrs und Beziehungen

von Andreas Mendyk (Kommentare: 0)

Zweimal im Jahr kann man in der Region Stuttgart, vor allem, wenn man mit der S1 in Richtung Kirchheim-Teck unterwegs ist, ein Ereignis der besonderen Art miterleben - der Einfluss von Unwissenheit und Alkohol auf den öffentlichen Nahverkehr.

Derjenige, der S-Bahn fährt, zumindest mit den neuen Zügen, der kennt das kratzige Piepen der Türen beim Versuch sich zu schließen. Der Versuch scheitert, wenn man in die Lichtschranke tritt. Vielleicht werden die Reisenden von dem Ton und den Lichtsignale verstört oder sie verstehen die schon mehrfach wiederholte Durchsage des Zugführers nicht, der schon halb genervt, halb frustriert in das Mikro haucht, man möge doch aus den Lichtschranken treten. Fakt ist, es kann dauern, bis sich alle Türen geschlossen haben - und deutlich länger dauert die Prozedur in den Zeiten, wenn die S-Bahnen Wasen-Besucher transportieren.

Es mag ein Zufall sein - wer an Zufälle glaubt - aber es dauert länger. Wobei ein weiterer Grund auffällig ist, der, so meine Beobachtungen, mit dem Alkohol Konsum mancher bayrisch traditionell bekleideter Menschen zusammenhängt. Hier könnte ich unterbrechen und darauf eingehen, wie eine bayrische oder tiroler Tracht mit einem schwäbischen Volksfest zusammenhängen mag, das führt aber zu weit weg vom Thema. Nun, mancher dieser in der Weise bekleideter Menschen, sehr oft jüngeren Alters, meinen, dass eine S-Bahn nur eine oder zwei Türen hat. So kann es vorkommen, dass, es sind womöglich ganze Schulklassen, doch etwas länger dauert, bis die Masse an Menschen sich, wie durch ein Nadelöhr, in die S-Bahn gezwängt hat. Und jetzt, man ahnt es schon, kommen die besagten Lichtschranken wieder voll zu Geltung.

Und man kommt sich näher, Menschen begegnen sich und es entstehen zwischenmenschliche Beziehungen. Vom Zunicken zum Bestätigen einer gemeinsamen Meinung, dass der arme Fahrer der S1 am Hauptbahnhof zum 3mal sagen muss – genau – dass man doch bitte aus den Lichtschranken treten soll, zum gemeinsames Grinsen über die Form der Wodka-Pfütze die sich rhythmisch zur Bewegung des Zuges durch das Abteil bewegt oder eine Unterhaltung entsteht über Jugendliche, die in ihrem Übermut, der befreit von jeder Selbstkontrolle und Orientierung, die Gleise mit der Unterführung in Bad Cannstatt verwechseln und damit den Zug zum Verbleib im Bahnhof zwingen.

Dank der Mobilitätsgarantie der VVS entsteht auch eine gewisse Gelassenheit, da einen das Taxi bis zur Haustüre fährt – dank den Besuchern des Wasen – vorausgesetzt, sie haben eine Fahrkarte bezahlt.

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